Peter E. Heinze
Ich hasse sie
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© 2011 Peter E. Heinze
 
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Ich hasse sie

Manchmal ist es wirklich zum Mäuse melken: immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann, passieren die unmöglichsten Dinger: wenn es denn wenigstens in abgeschiedener Flur passiert wäre – aber nein, direkt an einer viel befahrenen Strasse, unter den Augen einer sicherlich belustigten Öffentlichkeit.
Und ich hatte auch noch Schuhwerk an, dass die Peinlichkeit einer direkten Bodenberührung meines eh´ schon gestressten Körpers auf´s äußerste begünstigte. Ich kann es mir aber auch nicht angewöhnen, glatte Stiefel, also solche, die keine offenen Laschen, sondern geschlossene Ösen haben, zu benutzen. Zu aller praxisgerechten Ausstattung hat ausgerechnet dieses in Freizeitkreisen beliebte Schuhwerk des besseren Grips wegen eine äußerst griffige, weil stark profilierte Sohle. Und somit hat eine perfide Physik, gepaart mit ein wenig Unaufmerksamkeit, ein leichtes Spiel mit einer sicherlich sehenswerten Mimik meiner körperlichen Extremitäten.
Ist es Ihnen nicht auch schon so ergangen, daß Sie mit der geöffneten Hand gerade mal so das Bündel der meist rot gefärbten Plastikschnüre, welche mit grünen oder gelben Stangen versehen sind, halten können, während Sie mit der Rechten eine Stange nach der anderen – bei gleichzeitigem Rückwärtsgehen – entnehmen, um sie dann, oft unter zur Hilfenahme des ein oder anderen Fußes, in den hoffentlich weichen Erdboden zu stecken? Was sich in der Regel als einen als normal zu bezeichnenden Bewegungsablauf darstellt, gerät bei entsprechender „Störung" zu einem absoluten Fiasko.
Wie neulich: ich war gerade dabei, einen Stab diesem in der linken Hand plazierten Bündel zu entnehmen. Dies gestaltete sich aber nicht sooo einfach, da sich das eine Ende etwas in dem Bündel verheddert hatte. Diese Tatsache allein ist nicht so tragisch, aber ausgerechnet in diesem Moment glaubt ein mehr oder weniger „Bekannter" sein Dasein mittels in einem Automobil installierten Gerät (gemeinhin als Hupe bezeichnet) kundtun zu müssen. Als freundlicher Erdenbürger ist es eine Pflicht, diesen „Gruß" mit einer winkenden Hand, mindestens aber mit einem wohlwollenden Blick in die Richtung des Verursachers, zu würdigen. Unter Ausschaltung jeglicher Kontrollmechanismen ruckte nicht nur mein Kopf in die Richtung des freundlich gemeinten Geräusches, auch die rechte Hand, bestückt mit dem oben angeführten grünen Stab, versuchte sich nach rechts oben zu einem Gruß zu heben, was aber nur zum Teil gelang, da ja der Stab noch teilweise mit dem Bündel in der Linken verbunden war. Der mit der Materie vertraute Leser wird es ahnen: Das Bündel verließ, dem Gesetze der Physik folgend, die Hand und fiel nach unten, wo gerade der rechte Fuß, dem kurz zuvor erteilten Befehle folgend, sich nach oben und dann nach hinten zu bewegen hatte. Ich bin mir sicher, Sie wissen, wie es weiter ging: Der rechte Fuß kam nicht mehr dazu, festen Boden unter selbigen zu bekommen, weil Plastikschnüre dies hervorragend zu verhindern wussten, der Körper – normalen Bewegungsablauf voraussetzend – war aber schon auf dem Weg nach hinten. Kurz: es kam wie es kommen mußte, auf dem Boden liegend, ein Bündel roter Strippen über mir, versuchte ich zappelnd ein gutes Bild für die vorbeiziehenden Mitmenschen abzugeben. Ich bin mir sicher, der vorüberziehende Laie war erstaunt zu sehen, wie eine Schafskoppel heutzutage eingezäunt wird.
Ich hasse sie, meine lieben Elektrozäune.